Energieeffizient Bauen - was ist das eigentlich

Unser Energieverbrauch muss gesenkt werden, darin sind sich alle einig. Um energieeffizient bauen zu können, müssen gewisse Vorgaben erfüllt werden. Neubauten sollen zukünftig weniger Energie verbrauchen. Sie müssen Stromverbrauch und Heizenergie einsparen. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) regelt, mit welchen Maßnahmen Neubauten energieeffizienter gemacht werden können. Da es hier um Mindestanforderungen geht, kann jeder Bauherr weitere Maßnahmen einsetzen. 

Mittlerweile sind Hausbauten umsetzbar, die aktiv Energie produzieren. Sie verbrauchen somit weniger Energie, als sie erzeugen. Solche Häuser werden - im Gegensatz zum Energiespar- oder Niedrigenergiehaus - Plusenergiehäuser genannt. Eine weitere Möglichkeit ist die Energieautarkie. Damit werden Häuser beschrieben, die nicht an öffentliche Strom- oder Gasnetze angeschlossen werden, sondern ihren Energieverbrauch komplett autark regeln.

Was ist ein Niedrigenergiehaus?

Ein "Niedrigenergiehaus" ist mit einem "Energiesparhaus" identisch. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG 2020) regelt, welche Mindestvorgaben bei solchen Häusern erfüllt sein müssen. Im Grunde definieren vier Kriterien, was ein Niedrigenergie - oder Energiesparhaus ausmachen soll:

  • optimierter Wärmeschutz durch Dämmung der Gebäudehülle
  • luftdichte versiegelte Gebäudehülle
  • der Einsatz erneuerbarer Energien
  • und eine Belüftung, die mit Wärmerückgewinnung arbeitet.

Die Gebäudehülle eines Energiesparhauses sollte also luftdicht versiegelte Außenwände, ein gedämmtes Dach, gedämmte Geschoss-und Kellerdecken sowie Fenster aufweisen, die gute Wärmeschutz-Eigenschaften haben. Die Dämmung des gesamten Gebäudes darf weder Kältebrücken noch Wärmeverluste erzeugen. In dem Gebäude darf es nicht zum Entstehen von Tauwasser oder feuchtigkeitsbedingten Gebäudeschäden kommen. 

Die Energie von Niedrigenergiehäusern soll mindestens teilweise aus regenerativen Quellen stammen - beispielsweise aus Solarstrom, Holzpellet-Heizungen oder effizienten Wärmepumpen. Ein Teil des hauseigenen Wärmebedarfs muss aus erneuerbaren Energien stammen. Selbst die hauseigene Lüftungsanlage sollte der Wärmerückgewinnung dienen. Die Frischluftzufuhr soll für eine zusätzliche Einsparung von Energiekosten sorgen, statt Energie zu verschwenden. Es obliegt jedoch den Bauherrn, ob diese nur die Mindestanforderungen des Gebäudeenergiegesetzes umsetzen - oder diese übertreffen.

Man könnte sagen: Energetisch sparsame Neubauten stellen das Basismodell dar. Über die baulichen Mindeststandards gehen KfW-Effizienzhäuser, Passivhäuser, Plusenergiehäuser oder das Aktiv-Plus-Haus hinaus. Jeder Bauherr kann also entscheiden, ob er lieber in energieeffiziente Haustechnik investiert, oder besseren Wärmeschutz in effizienterer Dämmung gegeben sieht.

Aktuelle Förderstandards für energieeffizientes Bauen

Der Klimawandel wird dafür sorgen, dass es zukünftig strengere Regeln für Neubauten geben wird. Der Anteil regenerativer Energien wird zukünftig sicher durch den Gesetzgeber neu definiert. Derzeit fördert die Bundesregierung Wärmeschutz durch die KFW Förderung oder das "Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle" (BAFA). 

Der Gesetzgeber gibt mit dem Mindeststandard des GEG bezüglich der Dämmwerte den Rahmen für die Neubauten vor: 

  • das KfW-Effizienzhaus 55
  • das KfW-Effizenzhaus 40
  • und das KfW-Effizienzhaus 40 Plus


Mittlerweile wurden die KfW-Standards 70 und 100 ausgesondert. Die Ziffern hinter dem Begriff "KfW-Effizienzhaus" geben an, welcher Anteil der Primärenergie im Vergleich zum GEG-Referenzgebäude verbraucht wird. 

Das KfW-Effizienzhaus 55 verbraucht also mehr Energie als das KfW-Effizienzhaus 40 Plus. Bei diesem wird der KfW-Effizienzhaus-Standard 40 erfüllt. Zusätzlich haben solche Häuser aber eine hauseigene Photovoltaik-Anlage oder ähnliches, einen eigenen Stromspeicher und eine Möglichkeit, Stromverbrauch und Stromerzeugung überprüfbar zu machen. Vorgeschrieben ist außerdem eine Lüftungsanlage, die Wärmerückgewinnung beinhaltet.

Energieeffizienz kann auch durch die Vermeidung langer Anfahrtswege für Handwerker und Zulieferer erreicht werden. Regionale Anbieter und heimische Baustoffe sollten bevorzugt werden. Damit könnte es oft Probleme geben. Die meisten Baufirmen arbeiten mit bestimmten Vertrags-Partnern und Handwerksbetrieben zusammen.

Geeignete Bau- und Dämmstoffe für energieeffizientes Bauen

Die Energieeffizienz von Dämm- und Baustoffen ist unterschiedlich hoch. Holzbauten haben beispielsweise gute Dämmwerte. Mittlerweile sind natürliche Baustoffe wie Sand oder Holz aber Mangelware. Es gibt Nachschubprobleme. Die Energieeffizienz anderer Baustoffe ist in kürzeren Transportwegen und einer weniger energieintensiven Herstellung zu suchen. Das würde beispielsweise auf regional produzierte Leichtbeton-Baustoffe zutreffen. 

Kaum ein Bauherr hat einen Überblick über die Eigenschaften, Vor- und Nachteile moderner Baustoffe. Hilfreich könnte ein Blick in die nicht ganz einfach zu verstehende Datenbank Ökobaudat des "Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat" (BMI) sein. Wichtig ist: Prinzipiell kann Energieeffizienz durch jeden Baustoff hergestellt werden. Das bautechnische Gesamtkonzept des Neubaus entscheidet darüber, wie effizient mit Energie umgegangen wird.

Beispiele für energieeffiziente bautechnische Gesamtkonzepte

Bautechnische Konzepte definieren, wie Heizung und Dämmstoffe zusammenwirken sollen. Sie definieren, welche Stromversorgung und welchen Energieverbrauch Neubauten haben sollen. Oftmals werden Steinhäuser mit dem "Wärmedämm-Verbundsystem" (WDVS) errichtet. Dieses Konzept gilt aber nicht als nachhaltig genug. Oft werden nämlich fossile Dämmstoffe eingesetzt. Diese müssen bereits nach wenigen Jahrzehnten der Nutzung entsorgt werden. 

Dämmstoffe, die in einer Wand verbaut werden, sind geeigneter. Optimal sind stabile Baustoffe, die selbst beste Dämmungseigenschaften aufweisen. Zu bedenken ist auch, dass die verwendeten Baustoffe bei einem Abriss Entsorgungsprobleme aufwerfen können. Sie sollten also entweder naturbelassen sein oder recycelt werden können. Eine kompakte Bauweise gilt als ideal. Obergeschoss und Untergeschoss sorgen für optimale Wärmedämmung, wenn sie baulich deckungsgleich sind. Je mehr Anbauten oder Erker es gibt, desto mehr Außenwände müssen gedämmt werden. 

Kleine Dachflächen sind aus energetischer Sicht besser als große. Vieles spricht für die berühmt-berüchtigte Klötzchen-Bauweise. Gefällt diese nicht, kann aber auch bei anderen Hausformen die angestrebte Energieeffizienz erreicht werden. Hier drei Beispiele für unterschiedliche Baukonzepte:

 

a. Was definiert ein Passivhaus?

Passivhäuser werden stark gedämmt. Sie benötigen nur wenige Heizenergie, sondern werden durch die Nutzung der Sonnenenergie ausreichend warm. Der Heizwärmebedarf von Passivhäusern darf nicht über 15 Kilowattstunden pro Jahr je Quadratmeter liegen. Die größten Fensterflächen zeigen nach Süden. Im Norden befinden sich nur kleine Fensteröffnungen in geringer Zahl.

 

b. Was definiert ein Nullenergiehaus? 

Im Prinzip ist das Konzept mit dem des Passivhauses identisch. Hier wird jedoch eine ausgeglichene Energiebilanz angestrebt. Berechnet wird jedoch nur der Stromverbrauch, der durch das Haus selbst erzeugt wird. Der zusätzliche Stromverbrauch durch eingeschaltete Haushaltsgeräte wird nicht eingerechnet. 

 

c. Was definiert ein energieautarkes Haus?

Energetische Autarkie bedeutet, dass ein Neubau vollständig ohne externe Energieversorgung existieren kann. Es darf also weder Strom- noch Gasanschlüsse aufweisen. Jedweder Stromverbrauch wird durch die Bauweise des Hauses selbst abgedeckt. 

 

Neben diesen drei Beispielen existierten noch andere Modelle. Diese unterscheiden sich aber nur in Details, oft auch in den Kosten - und vor allem in den Bezeichnungen.

Das KfW-Effizienzhaus

KfW-Effizienzhäuser bieten viel Komfort. Sie stehen außerdem für Werterhalt. Interessant sind besonders die Möglichkeit der KfW Förderung und die Tilgungs-Zuschüsse. Es gilt: Je höher der Standard von KfW-Effizienzhäusern ist, desto mehr Fördergelder werden fließen. 

Der Begriff des "KfW-Effizienzhauses" wurde von der "Kreditanstalt für Wiederaufbau" (KfW), dem Bundesbauministerium (BMVBS) und der "Deutschen Energie-Agentur" (dena) entwickelt. Er steht für Energiesparhäuser, die nach dem KfW-Standard als Effizienzhaus durch die KfW-Förderbank eine KfW Förderung erhalten können. Fördergelder fließen für den Neubau von Wohnhäusern, die dem KfW-Effizienzhaus-Standard 40, 55 oder 70 entsprechen. Kleine Zahlen beschreiben eine hohe Energieeffizienz. Sie ermöglicht eine höhere Förderung. 

Der Effizienzhaus-Standard "KfW 40" sorgt dafür, dass 60 Prozent des Energieverbrauchs eingespart werden. Holz darf bei Fenstern nicht verbaut werden. Vorgeschrieben sind dreifach verglaste PVC-5-Fenster. Das Effizienzhaus "KfW 40" muss luftdicht gedämmt werden. Die Heizwärme wird aus regenerativen Energien bezogen. Ein geringer Energiebedarf von neuen Immobilien ergibt höhere KfW-Tilgungszuschüsse. Am Ende müssen die Bauherren also weniger von dem in Anspruch genommenen KfW-Kredit zurückzahlen.

Die KfW-Effizienzhäuser mit dem 55-er und dem 40-er Standard werden sogar zusätzlich gefördert. Die Bauherren können zinsgünstige Kredite bis maximal 50.000 Euro je Wohneinheit, sowie außerordentliche Tilgungszuschüsse nutzen. Das bedeutet, dass bei KfW-Effizienzhäusern "KfW 55" fünf Prozent der Kreditsumme erlassen werden. Bei KfW-Effizienzhäusern mit dem KfW-Standard 40 werden 10 Prozent der Gesamt-Kreditsumme erlassen. Jede Energieeinsparung kann also mittelbar Auswirkungen auf die Baukosten haben. 

Welche Heizungen sind energetisch effizient?

Zwar gelten moderne Gas- oder Ölheizungen durch einen hohen Wirkungsgrad als energetisch effizient genug. Das Problem sind jedoch die verwendeten Rohstoffe. Der Umwelt dienen Holzpellet-Heizungen besser. Stromheizungen und Wärmepumpen rechnen sich, wenn die Kombination mit einer Fußbodenheizung gewünscht wird. Das bedeutet automatisch niedrigere Vorlauf-Temperaturen. Eine umweltfreundliche Wärmepumpe bezieht ihren Strom aus regenerativen Energien. Er wird nach Möglichkeit weitgehend selbst erzeugt. 

Die vergleichsweise hohen Investitionen für Wärmepumpen amortisieren sich, wenn die Rohstoffkosten niedrig gehalten werden. Solange nicht genügend Verbraucher auf grünen Strom umstellen, speisen die Versorger Wärmepumpen weiterhin mit Kohle- oder Atomstrom. 

Eine vollständige Wärmeversorgung über Solarthermie ist in Deutschland aufgrund unseres Klimas schwierig. Sie erfordert viel Aufwand. Spätestens in den kalten Wintermonaten kann ohne Warmwasserspeicher und großflächige Sonnenkollektoren keine ausreichende Menge an Heizwärme hergestellt werden. Daher haben Bauten, die nicht ausreichend mit Solarenergie beheizt werden können, Ersatzheizungen.

 

Welche Dämmstoffe sind geeignet?

Gute Dämmstoffe erzeugen größere Energieeffizienz. Sie sparen Heizkosten ein. Der im GEG angesetzte Dämmstandard genügt, um Energieeffizienz herzustellen. Wichtig ist aber, dass die Dämmstoffe so verbaut werden, dass sie luftdicht genug sind. Der lebensnotwendige Luftaustausch wird komplett über die Fenster oder eine Lüftungsanlagen mit Wärme-Rückgewinnung geleistet. Die verwendeten Dämmstoffe sollten keine fossilen Rohstoffe beinhalten und bei der Herstellung wenig Energie verbrauchen.

 

Die hauseigene Stromversorgung

Neben der Heizenergie ist die Stromversorgung von Neubauten ein Kostenpunkt. Es muss darum gehen, möglichst wenig Strom aus dem öffentlichen Netz zu beziehen. Eine eigene Photovoltaik-Anlage erzeugt daher mehr Effizienz. Private Wind- oder Wasserkraftanlagen rechnen sich aber nur an geeigneten Standorten. Windkraftanlagen können bei Häusern in Alleinlage sinnvoll sein. Wasserkraft kann zu Wohnhäusern umgewidmete Windmühlen versorgen. Mini- oder Nano-Blockheizkraftwerke sind unterschiedlich effizient. Sie besitzen jedoch Potenzial, weil sie Strom und Heizwärme erzeugen.

 

FAQs zur energieeffizientem Bauen

Häufige Fragen zu Energieeffizienz und energieeffizientem Bauen im Detail.

Was ist energieffizientes / energetisches Bauen?
Energetisch bauen ist der optimierte Einsatz aktueller Technik für die Gewinnung / den effektiven Einsatz von Energieträgern im Haus. Dies beginnt mit dem Einsatz aktueller Heizungstechnik, über die richtige Dämmung und Belüftung eines Hauses bis hin zum Einsatz von Solaranlagen.